Digital Car Key 3.0 – Schlüsselbund war gestern

Wir alle kennen diese eine Filmszene: Der Held des Films flüchtet sich zum Auto, das auf dem einsamen, dunklen Parkplatz steht. Er verliert im dramatischem Crescendo des Scores den Schlüssel, muss ihn unter dem Auto hervorangeln und versucht nun panisch, die Vielzahl an Schlüsseln zu durchforsten, um das Auto noch – selbstredend nur original mit zitternden Fingern - rechtzeitig zu entriegeln und einzusteigen, und das, ohne das Auto des Sponsors ernsthaft zu verkratzen. Endlich sicher, uff. Ebenso sicher ist, dass sich skeptische Zuschauer dieser Szene fragen, wieso der Protagonist den am Schlüsselbund einfach zu identifizierenden Autoschlüssel nicht findet, und noch eine weitere Sicherheit drängt sich gerade zu auf: Physische Schlüssel sind total out und von gestern. Und in Parkplatz-Flucht-Situationen geradezu lächerlich unpraktisch. Leichter wäre es für den Helden unseres kleinen Intros gewesen, hätte er das Fahrzeug schon auf dem Weg zum Auto per App aufgeschlossen. Dann wäre sogar genug Zeit gewesen, schon mal den Motor zu starten, die Lieblings-Playlist zu starten und die Heizung auf angenehme 22 Grad Celsius vorzuheizen. Flucht in die Zukunft, und das mit Stil - wer kann, der kann, dank digitalem Autoschlüssel auf dem Handy.

Wie dieses Konzept funktioniert, wie sicher es ist und was die Mobility Rockstars damit zu tun haben, verrät dieser Artikel – viel Spaß!

Marc Wiechmann Cognizant Mobility

Marc Wiechmann

Marketing Professional

12.04.22

Ca. 16 min

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Digital Car Key – Was ist das?

Das grundlegende Konzept des digitalen Autoschlüssels scheint naheliegend: Fahrzeughalter verwenden keinen physischen Schlüssel mehr, sondern stattdessen einen digitalen Schlüssel auf dem Smartphone. Schlüssel, die tatsächlich ins Schloss gesteckt werden müssen, sind seit Jahren Schnee von gestern. Schon heute senden Autoschlüssel ein Signal teils aus hunderten Metern Entfernung und können je nach individueller Einstellung nicht nur das Fahrzeug öffnen, sondern auch per App oder im Auto festgelegte Vorbereitungen treffen. Das reicht vom Einschalten der Standheizung bis zum Wohlfühl-Ambient-Light. Im Falle des Digital Car Key sprechen wir zunächst „nur“ von einem klassischen Schlüssel in digitaler Form. Auch dieser ist jedoch vielseitiger einsetzbar, als einem in den ersten Momenten einfällt.

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Physische Schlüssel sind noch in vielen Hosen- und Handtaschen zu finden, sind aber – buchstäblich – altes Eisen. Wie bei vielen anderen alltäglichen Prozessen gewinnt das Smartphone hier essentiell an Bedeutung

So versteht sich von selbst, dass ich mein Auto mit einem digitalen Autoschlüssel auf- und zusperren kann, natürlich. Und einen solchen Schlüssel kann ich auch nicht so einfach verlieren. Sicher, ein Mobiltelefon kann ebenfalls verlustig gehen, die darauf befindlichen Apps sind indes nicht verloren, sondern können auf Ersatz- oder Neugeräten wiederhergestellt werden. Weitere Vorteile sind beispielsweise, dass ein solcher digitaler Autoschlüssel per App auch an Dritte weitergegeben werden kann, ohne physisch aufeinanderzutreffen. Ein praktisches Beispiel aus dem Alltag wäre eine Urlaubsreise, in deren Rahmen das Fahrzeug wegen Reinigungsarbeiten aus der Tiefgarage entfernt werden muss. Man selbst ist gerade beim Bräunen unter der herrlichen Urlaubssonne, und der Nachbarin hat man leider versäumt, den Zweitschlüssel zu überlassen. Kein Problem mit einem Digital Car Key: Einfach per App versenden und fertig, schon kann die Nachbarin des Deutschen liebstes Gut unproblematisch aus der Tiefgarage fahren.

Mehr als nur Aufsperren – die Möglichkeiten des Digital Car Key

Nun soll die sehr sympathische, aber auch chronisch abgebrannte Nachbarin den Wagen aber bestenfalls nicht versilbern. Praktisch, wenn der Eigentümer nun noch individuelle Parameter setzen kann, ehe er den digitalen Schlüssel nutzt. Zunächst verfügen wir beispielsweise eine Einmalnutzung, damit der Schlüssel nur genau einmal verwendet werden kann, ehe er abläuft. Außerdem haben wir eine Kilometerbegrenzung eingestellt, damit die Nachbarin bitte sehr den eigenen Sprit zum Einkaufen verfährt.

So weit, so gut. Das Fahrzeug steht nun auf dem Anwohnerparkplatz vor dem Haus, der Schlüssel ist abgelaufen, das Auto zu. Nun fällt der hilfsbereiten Nachbarin allerdings ein, dass sie ihr Portemonnaie auf dem Beifahrersitz vergessen hat. Und ihre Pizza. Und den Einkauf, denn so wahnsinnig streng haben wir die Kilometergrenze nicht gesetzt – immerhin ist die Frau wirklich nett und hilfsbereit. Damit sie nicht nochmal einkaufen fährt, es geht schließlich auch um Versicherungen, gebt ihr nun beim neuen digitalen Schlüssel an, dass dieser lediglich genutzt werden kann, um das Auto zu öffnen, und auch dies nur einmal. Hoffen wir also, dass das Gedächtnis der Nachbarin dieses Mal verlässlicher funktioniert.

Zusätzlich hinzu kommen Benefits wie eine genaue Ortung, so dass Fahrzeughalter immer wissen, wo sich ihr Auto befindet oder Geschwindigkeitsbegrenzungen – schließlich soll der Sohn mit dem frischen Führerschein nicht gleich mit 220 km/h über die Stadtautobahn brettern, kaum dass wir am Strand entspannen. Oder überhaupt, Sicherheit geht vor.

Natürlich gibt es bereits digitale Autoschlüssel – Google beispielsweise startete 2021, der Apple CarKey ist seit iOS 13 verfügbar, wobei letztere Variante von BMW genutzt wird. Welche Funktionen individuell verfügbar sind, ist aktuell noch OEM-spezifisch. Dies mag sich in Zukunft ändern, dank bestimmter Standards – dazu gleich mehr. An einer übergreifenden Lösung, die zukunftsorientiert, erweiterbar und absolut sicher ist, arbeitet auch die Cognizant Mobility, die Mutterfirma der Mobility Rockstars. Damit wäre auch dieser Kreis geschlossen, und wir können uns die Technik des Digital Car Key ansehen.

Digital Car Key: Die Technik

Um die technische Grundlage des Digital Car Key zu ermöglichen, kommen drei verschiedene Technologien zum Einsatz, nämlich NFC (Near Field Communication), UWB (Ultrawideband) und Bluetooth. Insbesondere im Bereich Ultrawideband hat die Cognizant Mobility bereits einige erfolgreiche Produkte auf den Markt gebracht wie den Corona Abstandswarner oder den Staplerwarner.

Die Daten des digitalen Autoschlüssels liegen in einem Security Element und sind somit vor Missbrauch geschützt– dazu kommen wir gleich nochmal separat.

Hervorzuheben gilt jedoch, dass dem digitalen Autoschlüssel auch ein Standard zugrunde liegt, den wir euch am Ende des Artikels in einem Whitepaper zum direkt Lesen sowie zum kostenfreien Download anbieten. Dieser Standard wird vom „CCC“ etabliert und weiterentwickelt – „CCC“ steht als Akronym für „Car Connectivity Consortium“. Im 20-seitigen Whitepaper könnt ihr noch einiges mehr an Details über die Technik, Pläne und Hintergründe zum Digital Car Key erfahren.

Der Digital Car Key und NFC

Die ursprünglich alleinig für den Einsatz im digitalen Schlüssel vorgesehene NFC-Technologie bildete die Grundlage. Interessanterweise, und aus heutiger Sicht bereits wieder überholt, sah die ursprüngliche Planung des Autoschlüssels via App vor, das Handy in die Nähe des Türgriffs zu halten, um das Fahrzeug zu entriegeln. Die weitere Entwicklung von Bluetooth und Ultrawideband erlauben nun einen weitaus breiteren Ansatz des Digital Car Key. NFC bietet indes einen besonderen Vorteil für den digitalen Schlüssel, der im Smartphone-Zeitalter nicht zu unterschätzen ist: Der NFC-Chip weist einen sehr geringen Stromverbrauch auf und kann sich daher auch nach dem Ausschalten des Mobiltelefons (z.B. wegen entleertem Akku) noch für einige Zeit am Reststrom im Akku versorgen –  und somit in einem Zeitraum von einigen Stunden auch mit ausgeschaltetem Handy ein Auf- und Zusperren des Fahrzeugs erlauben.

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Der Digital Car Key basierte ursprünglich auf der NFC (Near Field Communication) Technologie, die sehr energiearm operieren kann und somit nicht nur in Smartphones, sondern vielen Gegenständen des alltäglichen Lebens Verwendung findet, wie beispielsweise in den Chips der Bankkarten.

Hier kristallisiert sich aber auch bereits der Vorteil des CCC-Standards heraus, an dem auch die Cognizant Mobility mitwirkt: Er ist veränderbar und kann sich entwickeln, analog zu den Errungenschaften der Technik im Automotive-Sektor.

Teil dieses Standard ist außerdem der Gedanke, dass die native App und deren Betriebssystem von Grund auf OEM-übergreifend ist, also eben standardisiert ist. Natürlich ist denkbar und möglich, dass OEMs bestimmte Komfortfunktionen, beispielsweise kostenpflichtige Extras, auf hauseigenen Apps umsetzen. Alle Basics sollen dem Standard zufolge jedoch auf einer nativen App fahrzeugübergreifend nutzbar gemacht werden. Zu diesem Zweck im Sinne der Weiterentwicklung ist die Cognizant Mobility aktiv gemeinsam mit den CCC-Partnern berufen, ihr Know-How in den Bereichen UWB, NFC und BLE (Bluetooth Low Energy), Antennentechnik (seht hierzu das sehr sehenswerte Team Reel unseres Antennentechnik-Experten Jens Mayer) und Prozesserfahrung gemeinsam mit einem namhaften OEM einzubringen und zu einem verlässlichen Partner in der Zukunft des Digital Car Key zu werden.

Digital Car Key – Wie sicher ist das?

Vor allem bei Endnutzern stellen sich die Haare im Nacken auf, wenn es um die absolut unvermeidliche Frage der Sicherheit geht: „Was ist, wenn ich mein Handy verliere? Kann mich jemand hacken und so mein Auto stehlen? Was, wenn das Handy aus ist?“

Das Gute ist: All diese Fragen lassen sich einfach beantworten, die – berechtigten – Sorgen entkräften.

Zuerst bleibt festzuhalten, dass moderne Digital Car Keys nichts mit den nicht ganz zu Unrecht verrufenen Funk-Schlüsseln der Vergangenheit zu tun haben. Deren Signale konnten teils abgefangen und kopiert werden, was tatsächlich zu Missbrauch führen konnte. Beim Digital Car Key liegen Beginn die Daten des Schlüssels in einem Security Element, also z.B. dem Smartphone, das mit allen Möglichkeiten modernen Datenschutzes versehen ist.

Zusätzlich registrieren Nutzer ein „Owner Device“, registrieren also ihr Gerät, auf dem der echte Schlüssel abgelegt ist. Öffnet der Nutzer nun sein Fahrzeug, erkennt dieses, dass das originale Smartphone des Autohalters das Auto öffnen möchte, und kann anhand der „Time of Flight“ auch erkennen, wie lange das Signal zum Entsperren vom Device zum Schloss gebraucht hat. Durch die Kombination von Bluetooth und UWB ist dieses Ranging so effektiv, dass ein Missbrauch nahezu ausgeschlossen ist. Diese Technik ist noch dazu wohlerprobt, denn sie findet auch in aktuellen Fahrzeugschlüsseln, die noch per Knopfdruck ein Signal zum Öffnen senden, seit Jahren statt. Auch einem Verlust des Fahrzeugschlüssels lässt sich problemlos vorbeugen. Der Schlüssel von Opas Opel Admiral war weg, wenn er am See verloren ging. Teuer nachmachen war angesagt, und selbst bei Fahrzeugen mit Baujahren nach 2010 konnte ein Ersatzschlüssel aufwendig zu besorgen und, nebenbei erwähnt, sauteuer werden. Zwar kann auch ein Handy im See abtauchen, wenn die Begeisterung auf die Abkühlung gar so groß war, dass sie zum spontanen Sprung in den See im Business Outfit verleitet hat. Auf einem Ersatzgerät können die genutzten Apps jedoch unkompliziert neu installiert werden, der Nutzer registriert ein neues Owner Device, Sache erledigt. Daher ist der Schlüsselbund, wie die Überschrift bereits vorwegnahm, von gestern und heutzutage überflüssig. In der Zwischenzeit ermöglicht ein Digital Car Key, je nach individueller Einstellung, auch unterschiedliche Zugriffspunkte, beispielsweise per Website oder einer App auf dem Ersatzhandy.

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Der physische Autoschlüssel war nicht nur Gebrauchsgegenstand, sondern regelrechtes Statussymbol. In Zeiten von Nachhaltigkeit und Innovation ist es jedoch der Digital Car Key, der für Fortschritt und Open Mindset steht.

Digital Car Key – Das Fazit

In Sachen Autoschlüssel liegt auf der Hand, dass es von Vorteil ist, wenn nichts auf der Hand liegt, oder, um das halbgare Wortspiel zu korrigieren, in der Hosentasche. Digitaler Fortschritt begünstigt digitale Nutzungen und Features. Die Zeiten des wuchtigen Schlüssels als Statussymbol sind vorbei, ebenso wie heute nicht mehr nur noch Oberklasse-Modelle und teure Innenausstattung die Qualitätsstandards der automobilen Branche bestimmen. Kundennähe ist gefragt, Komfortfeatures sind gewünscht und Nachhaltigkeit ist unbedingt erforderlich, mehr denn je in Zeiten steigender Nachfrage und damit verbundener Kosten für viele Rohstoffe. Die Digitalisierung des Autoschlüssels ist daher ein konsequenter Schritt. Umso wichtiger ist die Durchsetzung des CCC-Standards, um Nutzern ein herstellerübergreifendes Nutzungs-Erlebnis zu bieten, an dem die Cognizant Mobility mitwirkt.

Bei Fragen zum Digital Car Key und unseren Erfahrungen auf diesem Gebiet sowie damit verbundenen Einsatzmöglichkeiten in euren Projekten kommt gerne auf uns zu, damit wir uns unterhalten können. Nutzt dazu am besten unser Kontaktformular, oder schreibt uns auf LinkedIn an – wir empfehlen euch das so oder so, da wir dort die meisten unserer vielseitigen Aktivitäten posten und ihr so ganz einfach immer auf dem Laufenden bleibt.

Digital Car Key – Das Whitepaper

Wie versprochen, findet ihr nachstehend nun noch das Whitepaper des CCC zum Digital Car Key, die auch die Urheber sind. Da das CCC das Whitepaper öffentlich und kostenfrei anbietet, möchten wir euch den Komfort bieten, gleich hier darauf zuzugreifen. Beachtet aber bitte, dass wir nicht die Urheber sind und auch keinen Anspruch darauf erheben, sowie dass wir für den Inhalt des Whitepapers keine Haftung übernehmen können. Es ist aber wirklich sehr interessant, und wir empfehlen euch definitiv, einen Blick reinzuwerfen, wenn ihr euch für das Thema interessiert – viel Spaß, und vielen Dank für eure Zeit.

Whitepaper: CCC Digital Key – The Future of Vehicle Access

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Professional Marc Wiechmann

Marc Wiechmann

Marketing Professional

Marc arbeitet als Senior Digital Marketing Manager bei Cognizant Mobility und generiert Content, fährt Kampagnen und leitet die SEO-Strategie der Internetauftritte.