Was ist WLTP? Warum die Reichweite von E-Autos oft nicht der Realität entspricht

Pascal

Marketing Professional

1.05.26

Ca. 7 min

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WLTP: Das Wichtigste in Kürze

  • WLTP (Worldwide Harmonized Light Vehicle Test Procedure) ist ein standardisiertes Testverfahren, um den Verbrauch und die Reichweite von E-Autos zu messen
  • Die WLTP-Reichweite wird unter kontrollierten Laborbedingungen ermittelt und weicht daher oft von der realen Reichweite ab
  • Im Alltag fällt die tatsächliche Reichweite oft deutlich geringer aus, insbesondere bei hohen Geschwindigkeiten oder niedrigen Temperaturen
  • Faktoren wie Fahrstil, Wetter, Umgebung und Nutzung von Heizung oder Klimaanlage beeinflussen die reale Reichweite erheblich
  • Der WLTP-Wert dient vor allem der Vergleichbarkeit zwischen Fahrzeugen, ist jedoch keine verlässliche Prognose für die tatsächliche Reichweite

Was ist WLTP?

Die WLTP-Reichweite sorgt bei vielen E-Auto-Fahrern für Verwirrung, da sie im Alltag meist nicht erreicht wird. WLTP steht für „Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedure“ und ist ein standardisiertes Testverfahren zur Messung von Reichweite und Verbrauch bei Fahrzeugen.

Ziel des WLTP-Verfahrens ist es, vergleichbare Werte für unterschiedliche Fahrzeugmodelle zu schaffen. Fahrzeuge werden unter gleichen Bedingungen auf einem Prüfstand getestet, um den Energieverbrauch und die daraus resultierende Reichweite zu ermitteln.

Das WLTP-Verfahren findet unter kontrollierten und idealisierten Voraussetzungen statt und ist somit nicht 1:1 mit realen Fahrbedingungen vergleichbar. Faktoren wie Fahrstil, Wetter oder Streckenprofil werden dabei nur begrenzt berücksichtigt.

Trotz dieser Einschränkungen ist WLTP heute der gesetzlich vorgeschriebene Standard in Europa und dient als Orientierung für den Verbraucher, um verschiedene Fahrzeugmodelle zu vergleichen.

Wie funktioniert der WLTP-Test?

Der WLTP-Test wird unter standardisierten Laborbedingungen auf einem Rollenprüfstand durchgeführt. Das Fahrzeug fährt ein fest definiertes Fahrprofil ab, das unterschiedliche Verkehrssituationen simulieren soll. Diese Verkehrssituationen reichen von Stadtverkehr bis hin zu Autobahnfahrten.

Es gibt drei verschiedene WLTP-Testklassen, die sich nach dem Leistungsgewicht des Fahrzeugs richten. Je nach Verhältnis von Leistung zu Gewicht wird das Testfahrzeug in Klasse 1, 2 oder 3 eingeteilt. Die meisten modernen Pkw, die heute auf unseren Straßen fahren, fallen in Klasse 3. Ein typisches Elektroauto mit rund 150 kW Leistung und etwa 2 Tonnen Gewicht liegt beispielsweise deutlich über der Grenze für Klasse 3. Selbst ein Fahrzeug mit gerade mal 75 kW und einem Gewicht von 2,1 Tonnen wäre bereits im Testbereich von Klasse 3.

Der eigentliche Test basiert auf dem sogenannten WLTC-Fahrzyklus (Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Cycle). Dieser ist in mehrere Phasen unterteilt, die folgende Fahrsituationen abbilden:

  • Low: Stadtverkehr
  • Medium: Stadtrand / Überland
  • High: Landstraße
  • Extra High: Autobahn

Im Klasse-3-Test werden alle vier Phasen kombiniert. Testfahrzeuge werden hier mit bis zu etwa 130 km/h getestet.

Der gesamte Test dauert rund 30 Minuten und umfasst eine Strecke von etwa 23 Kilometern. Bei Elektrofahrzeugen wird dabei vor allem der Energieverbrauch gemessen, aus dem anschließend die offizielle Reichweite berechnet wird. Faktoren wie Fahrzeuggewicht, Ausstattung oder aerodynamische Eigenschaften werden berücksichtigt, um möglichst vergleichbare Ergebnisse zu erzielen. Zusätzlich enthält der Test verschiedene Stopp- und Anfahrphasen, um typische Verkehrssituationen wie Ampeln oder Stop-and-Go-Verkehr abzubilden.

Warum weicht die WLTP-Reichweite im Alltag ab?

Die im WLTP-Test ermittelte Reichweite entspricht in der Praxis oft nicht der tatsächlichen Nutzung. Der Grund dafür liegt vor allem darin, dass der Test unter standardisierten und gleichbleibenden Bedingungen durchgeführt wird, während der Alltag voller Faktoren ist, welche die Reichweite zusätzlich beeinflussen.

Einfluss von Geschwindigkeit und Fahrprofil

Ein entscheidender Faktor ist die gefahrene Geschwindigkeit. Während der WLTP-Test verschiedene Fahrphasen simuliert, liegen die Durchschnittsgeschwindigkeit deutlich unter denen, die viele Fahrer im Alltag erreichen. Dies ist besonders dann der Fall, wenn Fahrer länger auf Autobahnen unterwegs sind. Bei hohen Geschwindigkeiten steigt der Energieverbrauch überproportional an, wodurch die Reichweite deutlich sinkt. Auch ein dynamischer Fahrstil mit häufigem Beschleunigen und Bremsen erhöht den Verbrauch zusätzlich.

Einfluss von Temperatur und Wetter

Auch äußere Bedingungen wie Temperatur und Wetter haben einen großen Einfluss auf die Reichweite des Fahrzeugs. Besonders bei niedrigen Temperaturen sinkt die Leistungsfähigkeit der Batterie, wodurch die Reichweite stark sinken kann. Diverse Tests zeigen, dass Elektrofahrzeuge bei Temperaturen um den Gefrierpunkt bereits 20-40% mehr Strom verbrauchen. Zudem steigt der Energiebedarf für Heizung und Batterie-Management, was die Reichweite zusätzlich reduziert.

Einfluss von Strecke und Umgebung

Auch Strecke und Umgebung wirken sich stark auf den Energieverbrauch aus. Steigungen erfordern deutlich mehr Energie, während bergab ein Teil der Energie zurückgewonnen werden kann. Zudem führen Stop-and-Go-Verkehr, Ampeln und unterschiedliche Straßenbedingungen zu Abweichungen gegenüber den standardisierten Testbedingungen.

Zusätzliche Verbraucher im Fahrzeug

Neben dem Antrieb verbrauchen auch weitere Systeme des Fahrzeugs Energie. Dazu gehören z. B. Klimaanlage, Heizung, Sitzheizung oder Infotainment-Systeme. Auch moderne Fahrerassistenzsysteme (ADAS) können durch zusätzliche Sensorik und Rechenleistung einen Einfluss auf den Energieverbrauch haben. Im WLTP-Test werden diese Faktoren nicht berücksichtigt. Im Alltag vieler Fahrer können diese einen spürbaren Einfluss auf die Reichweite haben.

Ist WLTP trotzdem sinnvoll?

Trotz der Abweichungen zur realen Reichweite erfüllt der WLTP-Wert einen wichtigen Zweck. Er schafft Vergleichbarkeit. Er ermöglicht es Verbrauchern unterschiedliche Fahrzeuge und deren Reichweite zu vergleichen, auch wenn die tatsächliche Reichweite meist unter der WLTP-Angabe liegt. Wer die Grenzen des WLTP kennt, kann die angegebenen Werte besser einordnen und realistisch einschätzen.